Informationen zu: Finger - Fraktur

Therapie der Finger-Fraktur ohne Operation

Ist bei jedem Knochenbruch am Finger eine Operation notwendig?

Nein! Viele Fingerbrüche heilen unter konservativer (d. h. nicht operativer Behandlung) gut und mit zufriedenstellender Funktion aus!

Was wird bei einer konservativen Behandlung einer Fingerfraktur gemacht?

Zunächst gilt es mit Hilfe des Röntgenbildes zu analysieren, ob eine verschobene Fraktur oder eine unversobene Fraktur vorliegt.

unverschobene Fraktur Finger  verschoben Fingerfraktur

Die beiden Abb. zeigen zwei verschiede Grundgliedfrakturen. In der Abb. links ist die Fraktur kau verschoben und für einen nicht Geübten schwierig zu erkennen.

Die Fraktur rechts ist erheblich verschoben. (Der Arzt spricht von einer dislozierten Fraktur

 

 

Welche Konsequenz hat die Unterscheidung zwischen dislozierter und nicht dislozierter Fraktur?

Das Ziel der Fraktur-Therapie bei Hand- und Fingerfrakturen ist, die Fraktur so schnell wie möglich in natürlicher (anatomischer) Stellung zur Ausheilung zu bringen.

Bei einer verschobenen (dislozierten) Fraktur muss daher ein erster Therapie-Schritt darin bestehen, die Verschiebung auszugleichen (zu reponieren).

Die Reposition (Einrichtung der Fingerfraktur in korrekte Stellung) kann im einfachsten Fall durch Zug am Finger durch den Arzt erfolgen.

Komplexere Frakturen oder Frakturen an mehreren Fingern werden - wie in der Abb. gezeigt - durch einen allmählichen Zug eingerichtet. Hierzu ist eine Betäubung (Anästhesie) notwendig, da ein Druck und Zug am gebrochen Finger recht schmerzhaft ist.

Wie geht man vor, wenn im günstigen Fall die Finger-Fraktur nicht verschoben ist?

Bei sehr günstiger Finger-Fraktur am Grund- und Mittelglied - d.h. nicht verschoben und stabil - führen viele Handchirurgen heute eine sogn. früh funktionelle Behandlung durch.

Mitläuferschlaufe bei Grundglied-FrakturMitläufer bei Fraktur (Funktion)

Die Abb. zeigen exemplarisch das Vorgehen bei einer Grundglied-Fraktur am Finger. Der gebrochene Finger wird mit dem gesunden Nachbarfinger mittels zweier Elastoplast-Ringe (Mitläufer-Schlaufe) verbunden.

Der verletzte Finger wird dabei an den gesunden Finger "geschient". Anders als bei einer Gips-Ruhigstellung können die Finger bei dieser Therapie sofort bewegt werden. Diese Therapie wird für rund 4 Wochen durchgeführt. Dann ist die Finger-Fraktur meist ausreichend fest und die Hand kann nach rund 5 - 6 Wochen wieder allmählich zunehmend belastet werden!

nicht dislozierte Finger-FrakturDiese Form der Fraktur-Therapie ist jedoch nur bei stabilen Finger-Brüchen möglich die weitgehend anatomisch exakt stehen oder zumindest nach der Reposition korrekt stehen. Bei richtiger Anwendung lassen sich mit diesem Behandlungsverfahren relativ schnell sehr gute funktionelle Ergebnisse erzielen

Die in der Abb. links gezeigte Fraktur nicht verschoben und stabil. Diese Fraktur ist optimal für die früh funktionelle Behandlung in einer Mitläufer-Schlaufe geeignet.

Ungeeignet ist dieses sehr gute und wenig belastende Verfahren jedoch bei instabilen Brüche, bei nicht exakt reponierbaren Frakturen und auch bei Frakturen in der Nähe eines Fingergelenkes, wenn im Bereich des Gelenkes eine "Unebenheit" in der Gelenkfläche besteht.

Bedeutet die obige Behandlung in der Mitläufer-Schlaufe, dass Gipsbehandlungen bei Finger-Frakturen nicht mehr notwendig sind?

instabile Finger-FrakturLeider nein! Die in der Abb. gezeigte Fraktur ist nicht nur erheblich verschoben. Diese Fraktur ist instabil. D. h. auch nach einer gelungen Einrichtung der Fraktur (Reposition) neigt diese Fraktur dazu sich wieder zu verschieben.

Diese Fraktur kann nur durch eine Operation oder durch eine wochenlange exakte Gips-Ruhigstellung zur Ausheilung gebracht werden.

Was ist bei der Gips-Ruhigstellung einer Finger-Fraktur zu beachten?

Auch die konservative Bruch-Behandlung muss mit großer Achtsamkeit durchgeführt werden.
So genügt es bei instabilen Brüchen an der Hand nicht einfach nur "einzugipsen" und den Gips nach einigen Wochen wieder zu entfernen.

So muss die Stellung der Fraktur - je nach Typ des Knochenbruches - unterschiedlich oft röntgenologisch kontrolliert werden.

Auch die Stellung des Gipses bedarf der Überwachung und eventueller Korrektur.

Als Betroffener sollte jeder Unfallverletzte mit Frakturen wissen:

Jeder starke Schmerz im Gips - ganz besonders aber jedes starke Gefühl einer Enge im Verband - sollte unverzüglich ärztlich kontrolliert werden.

Oft genügt es in solchen Fällen den Gips-Verband aufzuschneiden und zu erweitern. Das Nichtbeachten dieser Regel kann zu schwerwiegenden, dauerhaften Funktionsstörungen von Hand und Unterarm führen.