Dr. Kurt Steffens  FA für Plast. Chirurgie / Handchirurgie
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Narkose bei Denervation des Handgelenkes

Kann die operative Denervation (Durchtrennung der Schmerznerven) am Handgelenk in örtlicher Betäubung vorgenommen werden?

Bei der örtlichen Betäubung spritzt man das Betäubungs-Mittel direkt in das Operations-Gebiet über dem zu durchtrennenden Schmerznerv. Diese Art der Betäubung ist einfach und für den Patienten wenig belastend.

Allerdings hat diese Form der Anästhesie auch schwerwiegende Nachteile: Durch das Injizieren im Operations-Gebiet wird die Sicht bei der späteren Operation beeinträchtig. Feine Nerven- und Gefäßbahnen an der Hand und am Handgelenk können nur unzureichend gesehen werden

Die Denervation am Handgelenk (Durchtrennung mehrerer Schmerznerven) lässt sich m. E. nicht sicher durchführen ohne ein blutleeres Operations-Gebiet und einen völlig schmerzfreien Patienten.

Welche Betäubung kommt bei der Denervation  am Handgelenk zur Anwendung?      

Prinzipiell können zur Denervation verschiedene Betäubungsverfahren zum Einsatz kommen:

  • Die Voll-Narkose  (Ausschaltung des Bewusstseins)

  • Die Plexus-Betäubung (Betäubung des gesamten Armes)

Sollte die Denervation des Handgelenkes dann nicht besser in Vollnarkose erfolgen?       

In Vollnarkose ist grundsätzliche jede Operation am Handgelenk möglich. Bei der Denervation ist eine Vollnarkose jedoch nicht zwingend geboten,

Ich persönlich bevorzuge die Plexus-Anästhesie,(Betäubung nur des Armes) für die Denervation. Bei der Plexus-Anästhesie wird vor allen Dingen noch viele Stunden nach der operativen Ausschaltung von Schmerz-Nerven am Handgelenk noch eine gute Schmerzausschaltung erreicht.

Gerade in einem von so vielen Schmerznerven durchzogenen Gebiet wie dem Handgelenk ist die lange post-operative Schmerfreiheit, ein ganz wichtiger Aspekt für die Teil-Betäubung des Armes (Plexus-Anästhesie)

 Zudem kann der Patient kurz nach der operativen Denervation wieder essen und trinken.

Was bedeutet der Begriff:  Plexus-Anästhesie ?

Plexus brachialis (Armnervengeflecht)Bei dieser Form der Regionalanästhesie wird ein Betäubungsmittel in die Nähe eines Nervengeflechtes im Schulterbereich injiziert.

Das Arm-Nervengeflecht (Plexus brachialis) ist ein Geflecht größerer Nervenstämme, die vom unteren Halsbereich unter dem Schlüsselbein in die Achselhöhle ziehen.  

Im Verlauf dieser großen Nervenbahnen erfolgt die Betäubung.

Plexus in der AchselhöhleBei der Plexus-Anästhesie (korrekt: Arm-Plexus-Anästhesie) wird ein  Nervengeflecht (Pfeil) im Bereich von Schulter und Achsel durch ein Lokalanästhetikum betäubt. In den meisten Fällen ist der ganze Arm und die Hand nach rund 30 Minuten gefühllos und nicht mehr aktiv beweglich.

Die häufigste Plexus-Anästhesie wird in der Achselhöhle durchgeführt.

Im Krankenhaus und in der ärztlichen Praxis wird diese Form der Betäubung auch einfach als Plexus bezeichnet.

Der Narkose-Arzt  spritzt ein Betäubungsmittel in die Achselhöhle. Die häufigste Injektionsstelle bei der Armbetäubung (Plexus) ist die Achselhöhle.

Für Eingriffe an Hand, Unterarm und Ellenbogen reicht die Injektion des Betäubungsmittels in der Achselhöhle (Abb. oben)

Worin besteht der Vorteil der Plexus-Anästhesie  an der Hand oder am Unterarm

Blutleere zur Operation Spring-FingerDie Denervation erfordert eine perfekte Ausschaltung des Schmerzes und auch ein  blutleeren Operations-Gebiet . Dies gilt besonders, wenn nicht nur ein einzelner Schmerznerv operativ unterbrochen wird, sondern eine komplette Denervation (Unterbrechung vieler Schmerznerven) am Handgelenk erfolgt!

Dies mindert ganz erheblich das Risiko einer Verletzung von Blutgefäßes und oder Nerven.

Nur durch ein blutleeres Operationsgebiet gewinnt der Operateur die notwendige Sicht, um präzise an den Knochen der Hand oder des Unterarmes in der Nähe von Arterien (Schlagader) oder Nerven operieren zu können!

Damit es während der Operation am Handgelenk und in den Weichteilen des Unterarmes  nicht blutet, wird am Oberarm einer Manschette angelegt.

(Abb. oben:  Die Manschette wirkt ähnlich wie beim Messen des Blutdrucks).

Wie bei einer Blutdruck-Manschette auch, wird die Blutleere-Manschette aufgepumpt und am Oberarm entsteht ein unangenehmer Druck. Dieser Druck besteht im Verlaufe der gesamten Operation! In Plexus-Anästhesie ist dieser Manschettendruck jedoch nicht zu spüren.

Dieses Betäubungsverfahren ist weniger belastend als eine Vollnarkose. Patienten schätzen besonders, dass sie unmittelbar nach der Operation essen und trinken können. Aus ärztlicher Sicht ist besonders hervorzuheben, dass diese Form der Betäubung noch mehrere Stunden nach der Operation anhält. Hierdurch lässt sich die erste Zeit nach dem Eingriff problemlos ohne weitere Schmerzmittel überbrücken.

Auf Wunsch kann bei der Plexus-Anästhesie ein leichtes Schlafmittel gespritzt werden, so dass der Patient den Eingriff verschläft - ohne in Narkose zu sein!

Wegen der genannten Vorteile bevorzugen viele Chirurgen eine Plexus-Anästhesie (Arm-Betäubung) zur Denervation des Handgelenkes.