Informationen zum Karpaltunnel-Syndrom                                    
 

Berufskrankheit: Karpaltunnel-Syndrom

Berufskrankheit und Karpaltunnel-SyndromBei dem Karpaltunnel – Syndrom handelt es sich um eine chronische Druckschädigung des Mittelhandnervs (Nervus medianus) im Karpaltunnel.

Der Karpalkanal ist eine tunnelartige Röhre. Ein straffes Band bildet das Dach des Karpalkanals. Durch den Karpalkanal ziehen 9 Beugesehnen und der Nervus medianus vom Unterarm in die Hand (Abb. links)

Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen  Belastungen der Hand auf der Arbeit  - in ganz unterschiedlichen Berufen - und dem Auftreten eines Karpaltunnel–Syndroms ist gesichert!

In der Europäischen Gemeinschaft ist das Karpaltunnel – Syndrom seit mehr als zehn Jahren als Berufskrankheit anerkannt.

Eine Anerkennung als Berufskrankheit ist seit Sommer 2009 auch in Deutschland möglich!

Welche Berufe haben ein hohes Erkrankungsrisiko für das Karpaltunnel – Syndrom?

Es sind besonders Berufe und Tätigkeiten, die eine sehr starke Handbelastung haben wie Fließbandarbeiter, Fleischverpacker, Forstarbeiter, Geflügelverarbeiter, Kassierer im Supermarkt, Masseure, Polsterer ….

 

 

Was ist das gemeinsame all dieser gefährdenden Tätigkeiten, die zu einem Karpaltunnel – Syndrom führen können?

All diesen Berufen (die Aufzählung oben kann ja nicht vollständig sein) ist gemeinsam:

  • Eine immer wiederkehrende Handtätigkeit besonders mit Beugung und Streckung der Hände im Handgelenk (repetitive Tätigkeit)
  • Erhöhter Kraftaufwand der Hände, z. B: beim kraftvollen Greifen
  • Einwirkung von Schwingungen bei handgehaltenen vibrierenden Maschinen, z. B. Motorsäge, Steinbohrer aber auch Schleifmaschinen.

Karpaltunnel und BerufDie Abb. zeigt eine gefährdende Tätigkeit für die Entstehung eines Karpaltunnel-Syndroms durch Halten einer vibrierenden Maschine und immer wiederkehrende Handtätigkeiten. (Hier bei einem Zahntechniker)

Wie muss man sich vorstellen, dass bei einer solchen Tätigkeit ein Karpaltunnel – Syndrom entstehen kann?

Anschaulich betrachtet ist der Karpaltunnel – Syndrom eine starre Röhre, deren Boden und seitliche Grenzen durch Knochen und dessen Dach durch ein straffes Band gebildet wird. Neben dem Nervus medianus verlaufen im Karpalkanal auch neun Beugesehnen, die im Normalfall von einer sehr dünnen Hülle umgeben sind (der Sehnenscheide oder Synovialis).

Überbeanspruchung Quasi BerufskrankheitBei starken Überbeanspruchungen des Sehnengleitgewebes kommt es zu einer Wucherung (Hyperplasie) des Sehnengleitgewebes. Anschaulich gesagt, die Sehnenscheide verdickt sich (Hyperplasie der Synovialis).

Die Abb. zeigt eine solche Überlastung, wenn immer wiederkehrend, eine sehr kraftvolle Druckbelastung zum Schneiden eines Drahtes ausgeübt wird.

Da der Karpalkanal als starre Röhre nicht nachgeben kann, entsteht ein Druck auf den Nervus medianus und die Symptome eines Karpaltunnel – Syndroms entstehen.

Besonders die Kombination einzelner Tätigkeiten (z. B: repititive Tätigkeiten bei gleichzeitigem Halten von vibrierenden Maschinen) steigert das Risiko, dass ein Karpaltunnel – Syndrom entsteht.

 

 

Führt auch das Benutzen einer Computertastatur zur beruflich bedingten Entwicklung eines Karpaltunnel – Syndroms?

Die bisherigen Untersuchungen konnten bei Arbeiten an einer Computertastatur keine Erhöhung des Risikos für die Entstehung eines Karpaltunnel – Syndroms nachweisen!

Wie lange muss ein Betroffener der belastenden Tätigkeit ausgesetzt sein, damit ein Karpaltunnel – Syndrom entstehen kann?

Im zeitlichen Verlauf zum Auftreten eines Karpaltunnel – Syndroms genügen schon recht kurze Expositionszeiten. In den Fachliteratur ist beschreiben, dass in einem Schlachtbetrieb 11 % der Neuerkrankten innerhalb des ersten Jahres erkranken. In einem Betrieb der Fischindustrie wurde ein ähnlicher Zusammenhang gefunden. Nach jetzigem Kenntnisstand sollte für die Anerkennung einer Berufskrankheit des Karpaltunnel – Syndroms die schädigende Einwirkung über Monate bestanden haben.

Dabei sollte die schädigende Einwirkung (z. B. vibrierende Maschinen) repetitive manuelle Tätigkeit mit Beugung und Streckung der Hände) während des überwiegenden Teils einer Arbeitsschicht durchgeführt worden sein.

Was ist zu tun, wenn ein Betroffener einer solchen gefährdenden Tätigkeit über Monate ausgesetzt war?

Ist ein Karpaltunnel – Syndrom ärztlich gesichert, so kann in einem solchen Fall der Verdacht auf das Vorliegen einer Berufskrankheit erfolgen.

Die Anzeige Verdacht auf eine Berufskrankheit kann vom Arzt vorgenommen werden. Betroffene können sich jedoch auch direkt an die Berufsgenossenschaft wenden. Die für einen selbst zuständige Berufskrankheit erfährt man bei seinem Arbeitgeber.

 

 

Wie prüft der Arzt, ob die Berufskrankheit Karpaltunnel – Syndrom vorliegt?

Ursachen des Karpaltunnel-SyndromsDer Arzt hat eine Vielzahl von Überlegungen anzustellen, ob das Vorliegen einer Berufskrankheit Karpaltunnel – Syndrom wahrscheinlich ist.

Dies wird im Regelfall im Rahmen einer ärztlichen Begutachtung erfolgen. Hierbei hat der Handchirurg genau zu prüfen, ob nicht andere wesentliche Ursachen für ein Karpaltunnelsyndrom bestehen.

Die Abb. links zeigt eine solche Situation. Die Röntgenaufnahme zeigt einen alten nicht verheilten Kahnbeinbruch, der hier zur Entstehung eines Karpaltunnel-Syndroms führte.

So ist für einen Kausalzusammenhang zwischen beruflicher Belastung und Arbeit z. B. notwendig, dass die Erkrankung nicht schon vor Aufnahme der gefährdenden Tätigkeit bestand. Ein ursächlicher Zusammenhang ist dann wahrscheinlich, wenn die Erkrankung wenige Monate oder wenige Jahre nach der beruflichen Belastung entstand.

Des Weiteren muss gesichert sein, dass nicht andere Ursachen (z. B. Tumor, rheumatische Krankheit, schwere Handgelenks-Arthrose, Dialyse ..... Ursache für die Entstehung eines Karpaltunnel – Syndroms sind.

Ist bei Anerkennung als Berufskrankheit Karpaltunnel – Syndrom mit einer Rentenleistung der Berufsgenossenschaft zu rechnen?

Ob die Berufskrankheit eine Rentenzahlung leistet, hängt im Einzelfall von der Höhe der Minderung der Erwerbsfähigkeit ab. Die Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) ist ein abstrakter Begriff, der sich nicht daran orientiert, ob im Einzelfall ein Erkrankter wegen der Berufskrankheit ein geringeres Einkommen erzielt. Die Höhe der MdE wird festgelegt nach Orientierung an Erfahrungswerten.

Bei einer MdE von 20 von Hundert zahlt die Berufskrankheit eine entsprechende Rente. Hier ist zu beachten, dass evtl. auch einzelne Unfallfolgen, die beispielsweise mit einer MdE von 10 von Hundert (Stützrente) zusammen mit einer Berufskrankheit eine Minderung der Erwerbsfähigkeit im rentenberechtigendem Ausmaß erreichen.

Unter welcher Listennummer wird die Berufskrankheit Karpaltunnel – Syndrom geführt?

Die Berufskrankheiten haben in aller Regel eine bestimmte Nummer. So steht BK 2103 beispielsweise für die schädigende Einwirkung vibrierender Maschinen.

Das Karpaltunnel – Syndrom als Berufskrankheit hat zurzeit  noch keine Nummer als Berufskrankheit. Es kann jedoch als Quasi-Berufskrankheit Anerkennung finden, wenn die oben genannten Voraussetzungen bestehen.