Informationen zum Karpaltunnel-Syndrom                                    
 

 

endoskopische Operation des Karpaltunnel-Syndroms 

Worin besteht der Unterschied zwischen der endoskopischen Operation des Karpaltunnelsyndroms und der offenen Operation?

Gemeinsam ist beiden Operationsmethoden, dass das Dach des Karpalkanals durchtrennt wird.                              

    

Wie wird die Spaltung des Karpaldaches (Erweiterung des Karpaltunnels) bei der endoskopisch operativen Behandlung des Karpaltunnelsyndroms erreicht?       

endoskopische Op KarpaltunnelPrinzipiell wird hier ein kleinerer Hautschnitt angelegt. Der Hautschnitt liegt meist im Eingangsgebiet des Karpaltunnels, unmittelbar am Ende des Unterarms.

zum Anschauen der Animation klicken Sie auf das Bild oder Animation endoskopische Spaltung Karpaltunnel starten

Von diesem kleinen Hautschnitt aus führt dann der Arzt ein spezielles Instrument an den Karpalkanal ein.

Ist das Instrument einmal im Karpalkanal platziert, kann mit einem ausfahrbaren Messer das Karpaldach, quasi von unten, gespalten werden.

Ist diese Vorgehensweise immer gleich?     

Nein, es sind bei der endoskopischen Spaltung des Karpaltunnelsyndroms ebenfalls mehrere Methoden beschrieben worden. Die Methode nach Agee benötigt nur einen Schnitt unmittelbar vor dem Karpalkanal, um das Dach des Karpaltunnels zu spalten.

endoskopische Karpaltunnel-Op n. ChowDie Methode nach Chow benötigt zwei Schnitte um das  Karpaldach zu spalten: Einen kleinen Schnitt am Eingang des Karpalkanals auch noch einen kleinen Hautschnitt im Ausgang des Karpalkanals.

Die Abb. zeigt rot markiert die kleine Hautschnitte bei dieser endoskopischen Operation des Karpaltunnels.

 

Worin liegt der Vorteil der endoskopischen Karpaltunnelspaltung ?           

Bei der offenen Karpaldachspaltung muss ein Hautschnitt in eine recht belastete Zone der Hand angelegt werden. Im Bereich des Fettgewebes verlaufen bei manchen Menschen kleine Hautnerven, deren Durchtrennung oft zu sehr lange andauernden Empfindlichkeiten der Narbe führen. Die endoskopische Karpaldachspaltung vermeidet diese Nachteile.

 

 

Die Befürworter der endoskopischen  Spaltung des Karpaltunnels sehen den Vorteil ihrer Methode vor allem darin, dass ein auf diese Weise operierter Patient seine alltäglichen Aktivitäten im Beruf und im Sport wieder schneller aufnehmen kann, als dies bei der offenen Methode möglich ist.

Bei solchen Vorteilen müsste doch die endoskopische Behandlung des Karpaltunnelsyndroms das Standardverfahren sein ?

Nein, dies ist nicht so. Die Vorteile der endoskopischen Spaltung werden auch mit einer Reihe von Nachteilen erkauft.

Hier ist bei der endoskopischen Spaltung des Karpaltunnnels sicherlich das Risiko einer Verletzung (oder Teilverletzung) des Nervus medianus höher als bei einer offenen Spaltung des Karpaldaches. Verletzungen von Gefäßen, Hohlhandbogen oder gar Verletzungen des Ellennerven (Nervus ulnaris) sind bei der endoskopischen Karpaldachspaltung beobachtet worden.

 

 

Wie sind solche schwerwiegenden Komplikationen zu erklären ?           

Teildurchtrennung des Nervus medianusDie Abb. zeigt eine Teildurchtrennung am Nervus medianus (Pfeil) nach vorausgegangener endoskopischer Spaltung des Karpaltunnels.

Die Aufnahme entstand bei einer offen durchgeführten Nachoperation.

Im gezeigten Fall ist der Nervus medianus anatomisch variant. Normalerweise spaltet sich der Nervus medianus am Ausgang des Karpaltunnels in mehrere Seitenäste auf. Hier erfolgte eine Aufspaltung bereit im Eingang des Karpaltunnels

Bei einer Verletzung des Nervus medianus (oder auch einer Teilverletzung) handelt es sich um eine sehr schwerwiegende Komplikation, die auch bei korrekter Behandlung mit mikrochirurgischer Nervennaht nicht wieder so rekonstruierbar ist, dass nicht substanzielle Schäden für den Patienten zurückblieben.

Oft verbleibt Lebenslang an der durchtrennten Nervenbahn eine elektrisierende Missempfindung, der so genannte Neuromschmerz.

Ursache dieser Komplikationen beim endoskopisch behandelten Karpaltunnelsyndrom ist eine wesentlich stärker eingeschränkte Sicht, als beim offenen Verfahren, wo der Operateur alle Strukturen gut identifizieren kann.

Da einzelne Menschen auch einmal seltene Varianten im Nervenverlauf haben, kann es bei eingeschränkter Sicht auch einem sehr erfahrenen Chirurgen passieren, dass er bei einer anatomischen Variante im Nervenverlauf eine Nervenbahn im Karpalkanal verletzt.

Wie häufig ist eine solche Komplikation ?  

Diese Frage ist nicht wirklich zu beantworten. Es gibt in der Fachliteratur publizierte Operationsserien, bei denen über mehr als 1000 endoskopisch durchgeführte Karpaltunnel Operationen berichtet wird, die ohne gravierende Komplikationen verlaufen sind.

Andererseits gibt es jedoch auch eine Vielzahl von Einzelfallberichten, die über eine vollständige Durchtrennung des Nervus medianus, über Teildurchtrennungen des Nervus medianus, über Durchtrennung des Ellennervens (Nervus ulnares) sowie auch über unvollständige Spaltungen des Karpaldaches berichten.

 

 

Wie soll man sich nun als Patient verhalten, wenn man die endoskopische Spaltung eines Karpaltunnelsyndroms erwägt ?  

Als Patient muss man sich bewusst sein, dass bei dieser Methode einige spezifische Risiken bestehen (Nervenschädigung), die auch ein erfahrener Operateur nicht vollständig ausschließen kann.

Diese Risiken der Verletzungen im Bereich des Nervus medianus sind bei gleicher operativer Erfahrung des Handchirurgen bei einer endoskopischen Spaltung des Karpaltunnelsyndroms höher, als bei einer offenen Dekompression des Karpalkanals.

Die endoskopische Spaltung des Karpaltunnelsyndroms sollte man daher nur in einer solchen Einrichtung durchführen lassen, in der eine ganz umfangreiche Erfahrung in der Anwendung dieser Methode besteht.

Es ist völlig legitim, hier den Operateur nach seiner persönlichen Erfahrung in dieser Methode zu fragen.

Was sollte man sonst noch über die endoskopische Spaltung des Karpaltunnelsyndroms wissen ?      

Die endoskopisch durchgeführte Spaltung des Karpaltunneldaches ist im Hinblick auf den Materialaufwand deutlich teurer, als die offene Spaltung. Der wesentliche Kostenfaktor ist das nur einmal verwendbare Messer, mit dem das Dach des Karpaltunnels gespalten wird.

In wie weit hierdurch zusätzliche Kosten auf den Patienten zukommen, muss in einem Gespräch mit dem behandelnden Arzt vor der Operation ggf. geklärt werden.

Darüber hinaus sollte man wissen, dass unter den Handchirurgen es kaum ein so kontrovers diskutiertes Behandlungskonzept gibt, wie die endoskopische Spaltung des Karpaldaches. Sie werden als Patient glühende Befürworter dieser Methode finden, die Vorteile wie kleiner Hautschnitt, schnelle Belastbarkeit der Hand und so weiter herausstellen und auch solche Handchirurgen finden – ebenfalls aus guten Gründen –  diese Methode völlig ablehnen.

Diese Handchirurgen fürchten die sicherlich seltene Komplikation einer Nervenverletzung, die jedoch so schwerwiegend ist, dass sie nicht bereit sind, dieses Risiko einzugehen.