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Muss ein Enchondrom operiert werden?

Es gibt viele gute Gründe, ein Enchondrom operativ zu behandeln: Das im Knochenmark befindliche Enchondromgewebe hüllt langsam, aber stetig die Knochenhöhle von innen aus. Der Knochen wird hierdurch immer schwächer. Es kommt  -  wenn das Enchondrom nicht früh genug behandelt wird – häufig zur Entwicklung von sog. Spontanfrakturen. Man versteht hierunter Brüche, die sich im Bereich des ausgehöhlten Knochens aufgrund minimaler Krafteinwirkung entwickeln.

Um dies an zwei Bespielen aus hiesiger Klinik zu verdeutlichen:

Eine Patientin hat eine schwergängige Eisentür kraftvoll zugedrückt. Es kam im Bereich eines vom Enchondrom ausgehöhlten Mittelhandknochen zu einem Bruch.

Bei einem weiteren Patienten kam es bei einem Stolpern einer Treppe hinauf zu einem stark abgewinkelten Bruch eines Fingers. Hier war das Grundglied des Mittelfingers von einem Enchondrom ausgehöhlt worden.

Können Enchondrome bösartig werden?

Prinzipiell ja. Besonders wenn Enchondrome gehäuft im Körper vorkommen oder auch wenn Enchondrome große Knochen wie z.B. die Beckenschaufel betroffen haben, ist die Gefahr der bösartigen Entartung durchaus sehr realistisch.

Im Bereich der Hand entarten Enchondrome glücklicherweise jedoch nur selten!

Ist die Operation eines Enchondroms dringlich?

Sicherlich ist nach der gestellten Diagnose eines Enchondroms keine Panik oder Hektik vonnöten. Eine schnelle Notwendigkeit der Enchondrom-Entfernung  ergibt sich bei sehr schnell wachsenden Tumoren, die sich durch Beschwerden oder eine stärkere Schwellung bemerkbar machen. Hier sollte aufgrund der – wenn auch kleinen – Gefahr einer bösartigen Entartung möglichst bald operativ vorgegangen werden.

Eine weitere Dringlichkeit besteht dann, wenn die Knochenhöhle bereits extrem ausgedünnt ist und die Gefahr einer Spontanfraktur besteht.

Alle übrigen Enchondrome können wohl geplant operativ angegangen werden.

Was wird bei der Enchondrom-Operation gemacht?

Prinzipiell wird bei der jeder Operation eines gutartigen Knochentumors, der im Knochen liegt, wie folgt vorgegangen:

Der Knochen im Tumorgebiet wird zunächst durch einen Schnitt durch die Haut und durch die  über dem Knochen liegenden Strukturen dargestellt. Dann wird die äußere Schicht des Knochens über dem Tumor eröffnet, durch diesen Zugang im Knochen wird dann der eigentliche Tumor operativ ausgeräumt. Hier gibt es für den Handchirurgen einige spezielle Werkzeuge, die diese Tumorausräumung erleichtern. Am Ende der Tumorausräumung wird die Knochenhöhle noch einmal wiederholt ausgespült, um auch die letzten  Reste des Tumors zu entfernen.

Muss die Knochenhöhle durch anderen Knochen aufgefüllt werden?

In der Vergangenheit haben wir Ärzte dies standardmäßig durchgeführt. Nach einer Entfernung eines Enchondroms (z.B. in der Hand) wurde anderes Knochengewebe, sei es aus der Speiche oder sei es aus dem Beckenkamm, routinemäßig entnommen und mit diesem Gewebe wurde die Knochenhöhle, die nach der Tumorentfernung entstand, aufgefüllt.

In jüngerer Zeit haben eine Vielzahl wissenschaftlicher Untersuchungen gezeigt, dass in vielen Fällen der Körper in der Lage ist, ohne Verpflanzung vom Knochengewebe einer anderen Stelle den großen Hohlraum eigenständig aufzufüllen.  Wir führen daher heutzutage nur noch dann Knochenverpflanzungen (z.B. vom Beckenkamm) durch, wenn das Enchondrom den Knochen bereits extrem geschädigt hat und der verbliebene Knochen nach Ausräumung des Enchondroms nicht mehr stabil ist.

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